Streuobstwiese am "Langen Weg"

Östlich von Hasborn am Langen Weg (L 145) befindet sich unsere Streuobstwiese auf einem Gelände, das der Gemeinde Tholey gehört. Seit 1998 haben wir das 24 Ar große Areal gepachtet. Im März 1999 wurden die ersten Bäume gepflanzt. Auch die NAJU-Gruppe war damals dabei und hat tatkräftig mitgeholfen.

Bei den gepflanzten Hochstämmen handelt es sich ausschließlich um robuste alte Sorten, die wenig Ansprüche an den Boden stellen und gegenüber Krankheiten und Schädlinge äußerst robust sind. Wir wollen diesen alten Sorten, die immer mehr verschwinden, wieder ihren angestammten Platz in der Kulturlandschaft geben und so zu einer Bereicherung und Aufwertung des Landschaftsbildes beitragen. Bei den Bäumen handelt es sich um die Sorten Kaiser Wilhelm, Bohnapfel, Engelsberger, Jakob Fischer, Rheinischer Krummstiel, Erbachhofer, Goldparmäne, Hauxapfel und Winterrambur.

Streuobstwiesen erfüllen vielfältige ökologische Funktionen. Sie sind Rückzugsgebiet und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Vor allem Pollen und Nektar sammelnde Bienen und Wildbienen profitieren von den blühenden Bäumen und Wiesenkräutern. Auch für die Larven von Schmetterlingen, Käfern und Fliegen ist hier ein gutes Nahrungsangebot vorhanden. Viele andere Insekten und Spinnentiere finden in den Bäumen, z. B. in der rissigen Borke, Versteckmöglichkeiten. Die Insekten wiederum locken eine Vielzahl von Vögeln an. Extensiv genutzte Streuobstwiesen sind auch Rückzugsgebiet für kleine Säugetiere und Trittsteinbiotop für umherstreifende Tierarten.

Um die Biotopqualität und die Attraktivität noch weiter zu steigern, schaffen wir zurzeit neue Kleinhabitate. Neben verschiedenen Nistkästen für Vögel und einem „Wildbienenhotel“, das schon vor ein paar Jahren aufgestellt wurde, legen wir eine kleine Blühfläche und einen Blühstreifen an. Dazu wurde der Oberboden samt Vegetation entfernt, die Flächen mit Schotter und Kies abgemagert und mit einer Samenmischung aus ein- und mehrjährigen Stauden für Magerstandorte eingesät. Der Aushub wurde zu einem Wall angeschüttet. Vor dem südexponierten Wall wird eine Trockenmauer errichtet, die von wärmeliebenden Pflanzen besiedelt wird und wo sich Eidechsen wohl fühlen.

Dann errichten wir noch eine künstliche Lösswand für Wildbienen, die ihre Brutgänge in senkrechte Lösswände, z. B. an Hohlwegen und Uferböschungen, graben. Dazu werden rechteckige Pflanzsteine mit einem Gemisch aus Sand und Baulehm von Claytec unter Zugabe von etwas Wasser im Verhältnis 1:1 gemischt. In getrocknetem Zustand darf die Mischung weder zu hart noch zu weich sein. Sie sollte sich einfach mit einem Fingernagel abkratzen lassen. Schließlich werden kleine Löcher von 1 bis 2 cm Tiefe in einer Dicke von 5 bis 8 mm in das Material gebohrt. Die so entstandenen dunklen Flecke locken Wildbienen an, die dann die Gänge weitergraben, um dort ein Ei samt Futtervorrat abzulegen. Der Brutgang wird anschließend von der Wildbiene zum Schutz vor Parasiten und Fressfeinden verschlossen. Dann werden die gezahnten Pflanzsteine um 90° gekippt und zu einer kleinen Wand übereinander gestapelt. Andere Wildbienen nisten im Boden, aber auch in markhaltigen Stängeln, in Altholz, sogar in Schneckenhäusern. Auch die Trockenmauer, deren Steine die Sonnenwärme speichern, zieht Wildbienen an.

Des Weiteren soll eine Käferwiege angelegt werden. In einer 30 bis 40 cm tiefen Grube werden zuerst Sägespäne, dann Rindenstücke sowie Laub und als Abschluss Totholz in verschiedenen Stärken übereinander geschichtet. Die Käfer bewohnen – je nach Art – unterschiedliche Totholzstadien, deshalb auch die Schichtung. Und viele Käfer locken ihrerseits wiederum Prädatoren wie Spitzmaus, Mauswiesel und Blindschleiche an.

Je vielfältiger wir das Biotop Streuobstwiese gestalten und je diverser die Habitate sind, umso besser wird sich die Artenvielfalt entwickeln. Das ist unser Anspruch, dieses Ziel wollen wir erreichen.

 

Streuobstwiesen sind ein traditionelles Kulturgut. Sie prägen seit dem Mittelalter unsere dörfliche Landschaft. Doch seit den 1960er-Jahren ist ein permanenter Rückgang zu beobachten. Durch den hohen Flächenverbrauch für Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete und die schwindende wirtschaftliche Bedeutung sind etwa ¾ der Bestände der Bundesrepublik Deutschland verschwunden. Mittlerweile ist ein Großteil der Obstbäume überaltert und wird nicht mehr gepflegt und genutzt. Mit den Streuobstwiesen verschwinden auch viele alte Obstsorten, die aufgrund ihrer Robustheit und Anspruchslosigkeit für unsere Region prädestiniert sind. Mit dem Anlegen der Streuobstwiese am Langen Weg soll diesem Trend entgegengewirkt werden.